Mittwoch, 23. Februar 2011

Outback, die Dritte


Der Uluru! Der heilige Monolith. Das Wahrzeichen Australiens wartet auf uns (und auf 1500 andere Besucher am Tag). Nach 6 Monaten hier in Australien treten wir nun die Reise in diese Richtung an. Aber, vorher heißt es noch einige Kilometer fahren. Muss ja verdient sein. Diese einigen Kilometer sind genau genommen 3100. Die ersten 1900km davon durch die berüchtigte Nullarbor Plain. Dass sie berüchtigt ist, schlussfolgern wir nur daraus, dass jeder, dem wir von unseren weiteren Reiseplänen erzählen, wie folgt reagiert: „Wuha … ihr wollt durch die Nullarbor. Aha. Wie alt ist euer Auto? Aha. Hm. Was war schon alles kaputt? Ah ja, hm. Na dann viel Glück.“  
Vollgetankt und mit genügend Vorräten geht es los. Vorbei an Grasbüschel in unterschiedlichen Höhen und vertrockneten Bäumen und schließlich wieder Grasbüschel. Alles in allem sehr sehenswert. Straßenschilder sind sogar so sehenswert, dass es sich lohnt anzuhalten und ein Foto zu machen. Diese Schilder sind auch sehr informativ. So erfährt man zum Beispiel, dass man sich gerade auf einem Abschnitt befindet, der auch als Notlandebahn für Flugzeuge der „Royal Flying Doctors“ genutzt wird. Abenteuerlich. Aber außer der Reifenspuren unserer Vorgänger beim Ausweichmanöver haben wir keinen Beweis dafür, also kein Flugzeug entgegenkommen sehen. Desweiteren lernt man, dass hier auch neben Kängurus, Kamele und Wombats auf der Windschutzscheibe landen können. Kamele haben wir tatsächlich auch gesehen. Muss ja nicht auf der Windschutzscheibe sein. Wenn man hier so tagelang Stunde um Stunde fährt, hat man ja ein paar freie Minuten um sich Gedanken zu machen. Zum Beispiel darüber, wie ein Mensch auf die Idee kommen kann, mitten im Nichts loszuwandern und trotz der Tatsache, dass nach dem Nichts noch mehr Nichts kommt, weiter zu wandern. Und das Ganze Tag um Tag, Monat um Monat. Und dann zu entscheiden, hier könnte man doch eine Straße durch bauen. Nämlich den Eyres Highway, auf dem wir nun also unterwegs sind. Danke John Eyre.
Nach 4 Tagen Fahrt und heiß gelaufener CD-Sammlung - Whitney Houston und Co. können wir nun textsicher mitschmettern – gibt es einen Zwischenstopp in Port Augusta um alle Reserven wieder aufzufüllen. Wir mussten ja schließlich wieder an der Quarantäne-Station beim Übergang von Western Australia nach South Australia unser gesamtes Obst und Gemüse aufessen oder wegschmeißen. Wir haben uns natürlich für ersteres entschieden. Für die Mathe-Köpfe unter uns: wir brauchten 4 Tage, weil wir nur 80km/h fahren!  Gut gerüstet geht es auf den Weg für die nächsten 1200km. Die Richtung ist immer noch der heilige Uluru (bei so einer langen Fahrt kann man das schonmal vergessen). Diese Strecke ist wesentlich abwechslungsreicher. Sie folgt nämlich der Bahnstrecke des Ghan, sodass man mindestens  einmal am Tag einen Zug sieht! Und dann sind das noch Güter-Züge mit bis zu 100 Waggons (wir hatten gerade kurz Zeit, diese zu zählen). Da hat man richtig was zu gucken. Dieser Highway heißt nun Stuart Highway und gilt als Explorer’s Way. Genau. Er folgt der Route des Entdeckers John McDouall Stuart. Der erste Europäer, der den Kontinent von Süd nach Nord durchquert hat.
Gut, dass wir folgenden Abschnitt unseres Reiseführers erst gelesen haben, als wir schon unterwegs waren: „Ob von London nach Moskau oder von Perth nach Adelaide – kilometermäßig ist das kein großer Unterschied. Der 2700km lange Eyre Highway verläuft durch den südlichen Zipfel der großen Nullarbor Plain. Wahrscheinlich wollen viele Reisende die Ebene nur deshalb durchqueren, um sich zu beweisen, dass sie es schaffen. Wer sich auf den Weg macht, sollte sich auf eine fast meditative Fahrt einstellen. Man braucht tagelang und einen verdammt großen Vorrat an Wasser und jede Menge CDs … Outback Rettungsdiensten sollte man einen riesen Gefallen tun und ein paar simple Vorsichtsmaßnahmen treffen, wenn man sich in diese Ecke begibt…“







Hinter den 7 Bergen, bei den 7 Zwergen ...


Die Wälder im Südwesten Australiens werden nicht umsonst mit den Worten „Giant Trees“ umschrieben. Die Eukalyptusbäume der Arten Karri, Marri und Jarrah können bis zu 85m hoch und 300 Jahren alt werden. Egal, ob man mit dem Auto hindurch fährt, wandert oder sein Lager aufschlägt, man fühlt sich wie ein Zwerg im Märchenwald. Wenn man die Baumwipfel anschauen will, muss man wirklich stehen bleiben und nach oben schauen, da man sonst stolpert oder gegen den nächsten Baum rennt. Die Eukalyptuswälder benötigen sehr viel Regen (1250mm im Jahr), aber auch natürliche Buschfeuer zur Regeneration. Unkontrollierte Feuer hingegen zerstören die Tier- und Pflanzenwelt. Deshalb gibt es sogenannte „Tower-Trees“. Das sind Beobachtungsstationen in den Baumwipfeln besonders hoher Bäume. Von da aus können Buschfeuer geortet werden. Einige dieser Tower-Trees sind auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Bicentennial Tree ist 75m hoch und hat 130 „Stufen“. Die Kabine im Baumwipfel wiegt 2t und kann bis zu 1,5m in jede Richtung schwingen. Ganz schön wackelig da oben!







Die Region um Margaret River


Hier reiht sich ein Weingut am nächsten. Man startet so gegen 11 Uhr am Morgen und kostet sich durch die verschiedenen Weinsorten. Da sind edle Tropfen dabei … Aaam Naachmiddag gann mann sisch szwar nisch meer an de Naamen dr leggeren Dropfen ereninnern, hicks, abber gud schmeckt hats!

Man kann auch wunderbare Höhlen besichtigen (z.B. die Mammoth Cave). Das sollte man aber vor der Weintour einplanen.

Und dann gibt’s da noch so komische Tiere. Australien …






Rottnest Island


Diese kleine Insel liegt vor der Küste Perths. Sie ist 11km lang und 4,5km breit und eignet sich hervorragend dazu, per Fahrrad erkundet zu werden, da es eine autofreie Insel ist. Rottnest bekam ihren Namen 1696 vom niederländischen Entdecker Vlamingh. Er wollte damit an die vielen riesigen Ratten (Rottnest = Rattennest zu damaliger Zeit) erinnern, die er auf der Insel sichtete. Damit tat er den „Quokkas“, wie sie nun heißen, aber ganz schön Unrecht, was Kurzschwanzkängurus sind. Sehr zutrauliche Gesellen, die man auf der ganzen Insel beobachten kann. 





Mittwoch, 2. Februar 2011

„Freies“ Fremantle


Dieses wunderschöne Kunst- und Kulturstädtchen liegt an der Mündung des Swan River im Südwesten Australiens, 20km von Perth entfernt. Im damaligen Gebiet der Noongar – Aboriginies landeten 1829 die ersten Europäer mit dem Schiff HMS Challenger. In Fremantle stehen die ältesten Gebäude Westaustraliens. Aus der Zeit des Goldrausches sind noch wunderschöne Häuser erhalten, die das Stadtbild prägen. Vollkommen wird dieses bezaubernde Stückchen Erde durch die Lage am Meer mit herrlich klarem Wasser und weißem Sandstrand soweit das Auge reicht. Kleine Gassen mit internationalen Läden, Cafés und Restaurants laden zum Bummeln ein. Freitag bis Sonntag kann man sich durch die Gänge des Marktes schlängeln, auf dem es Köstlichkeiten aus aller Herren Länder gibt. Schlendert man durch die Straßen, wird man überall von der Musik der Straßenkünstler begleitet. 

Dank der öffentlichen Duschen und Toiletten am Strand, ist dieser wieder einmal unser Wohn- und Badezimmer geworden. Jeden Morgen vor dem Frühstück geht es erstmal eine Runde ins Meer zum Schwimmen. So kann der Tag nur gut werden. 

Für Kunst- und Kulturliebhaber wird jede Menge geboten. In das Kunstzentrum, in dem regelmäßig auch Musiker auftreten, erhält man freien Eintritt. Man kann dort sogar den Künstlern bei der Arbeit zuschauen, da man Zutritt zu allen Studios hat. Im Maritime Museum kann man die Liebe der Australier zum Meer und zur Schifffahrt wirklich spüren. Dort steht unter anderem die „Australia II“, die 1983 den Americas Cup gewann. Australien bebte. Es gab wohl kein anderes Thema mehr zu dieser Zeit. 1996 umsegelte ein 17-jähriger Australier die Welt in 264 Tagen, allein! 

Entlang des Swan Rivers kann man wunderbar Fahrrad fahren. Für unsere erste Tour wählten wir eine Route mit ca. 45km, die sich aber aufgrund der teilweise hügeligen Strecke und des Gegendwindes wie 80km anfühlte. Es gibt sehr gut ausgebaute Radwege den gesamten Fluss entlang. Man kann also verträumt die Landschaft genießen ohne ständig nach vorn schauen zu müssen (die anderen Radfahrer haben ja schließlich auch Klingeln). Nach der Hälfte der Strecke (also 50km) verspürten wir ein leichtes Hungergefühl und kehrten in die nächste Gelegenheit ein. Das war die Swan-Brauerei und wir dachten: „Super, Brauerei hört sich nach deftigem Essen an, große Portionen preiswert.“ Als wir uns in unseren Fahrradklamotten verschwitzt niederließen und die anderen Gäste betrachteten während wir auf die Speisekarte warteten, kam uns der Gedanke, dass es wohl doch nicht so preiswert werden würde. Der Blick in die Speisekarte bestätigte diesen Gedanken. Wir begnügten uns mit den Vorspeisen. Für mich gab es dann 3 Spargelspitzen mit 5 Blättern Wasserkresse für 20$ (das war die Anfangspreislage der Vorspeisen). Man lebt nur einmal. 
Die große Überraschung kam, als wir unser geliehenes Fahrrad zum Fahrradverleih zurück brachten und dafür bezahlen wollten. Da sagte uns der Händler, dass diese Fahrräder kostenlos verliehen werden als Service von der Stadt Fremantle. Unglaublich. Am Morgen machte ich noch meine Witze. Als er uns fragte, ob wir ein „freies“ Fahrrad wollen, sagte ich „Ja und bitte auch einen freien Parkplatz für unser Auto den ganzen Tag“. Wer rechnet schon damit, dass man wirklich ein Fahrrad für den ganzen Tag umsonst leihen kann. Hätten wir das mal vorher gewusst. Dann hätte es zu den 3 Spargelspitzen noch ein Stück Brot dazu gegeben!

Mit dem freien Eintritt in viele Einrichtungen, freien Ausstellungen, freien Konzerten die ganze Woche über, freien Stadtbus für viele Hauptstraßen, freien Fahrradverleih, freien Internet in der Bücherei und den freien Duschen und Toiletten hat diese Stadt ihren Namen wirklich verdient: Fre(e)mantle! Hier kann man durchaus leben!